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Stachelschriften

Über Jahre hinweg befand sich der "blickwinkel" im Tiefschlaf.
Aus unserer heutigen Sicht war das gut und richtig, auch wenn diese Ruhephase eher äußeren Umständen als einem Plan geschuldet war.
Das gab uns als Autoren die Zeit für neuen "Input", wie man die Phase zeitgemäß nennen könnte.

Nun saßen wir physisch gesehen aber im fernen Südfrankreich, weit ab von deutschsprachigen Bibliotheken. So blieb nur die Lösung, daß wir uns auf die wenigen Werke in unserer zu dieser Zeit sehr begrenzten Bücherregale beschränkten.
Generell gesehen, kann das aber keinesfalls nur negativ gesehen werden, ist man in dieser Situation doch gezwungen, in einzelnen Werken weit in die Tiefe zu gehen. Vielleicht war das die Grundlage einer neuen Herangehensweise an künftige Themen.
Im Laufe weniger Jahre wuchs die Schriftensammlung dennoch auf einen beachtlichen Fundus heran.

Die Katastrophe kam dann wörtlich "über Nacht". Ein Hochwasser ruinierte nahezu alle Bücher und zwang zu einem "reset". An einen Wiederaufbau der Bibliothek war schon aus finanziellen Gründen nicht zu denken. Fortan gab es Bücher nur noch nach Bedarf.
Gleichzeitig startete im Internet dankenswerter Weise das bekannte Digitalisierungsprojekt, durch welches nun zu Millionen Faksimiles verfügbar wurden.
So zwang uns, die wir doch so verbohrt konservativ waren, diese Entwicklung letztlich doch in die digitale Welt.
Daß zumindest die Stachelschriften jetzt auch auszugsweise online verfügbar sind, ist also auch diesen Umständen geschuldet.



Neue Wege des "blickwinkel"

Eine Wiedererweckung des "blickwinkel" kam nicht in Frage - Alles zu seiner Zeit. Noch nie standen uns Informationen so offen wie heute. Es wäre verbohrt und geradezu töricht, erneut Pamphlete aus Parolen und vermeintlichen Lehrsätzen zu verbreiten, dernen Inhalte so ersichtlich arm an Recherche wären wie damals. Der Weg zur Schreibmaschine war meist kürzer als der zur Bibliothek.
Auch wenn wir uns inhaltlich an vieles aus dem Alten "blickwinkel" eher ungern erinnern, so hatte der Gedanke, so etwas nochmal zu starten, seinen Reiz. Zu einem nicht mehr genau zu bestimmenden Zeitpunkt war es dann ohne aktives Zutun geschenen....
Zu Beginn der 2000-er Jahre wäre jedem Jüngeren eine Website als geeignetes Medium für ein "blickwinkel"-Revival sofort in den Sinn gekommen. Wir hingegen schienen in der Alten Welt zu sehr verhaftet, als daß wir gedanklich über den Horizont eines Emailkontos hätten hinausblicken können (oder wollen ?). Die fast schon rebellische Offenheit von einst gegenüber alternativer Medien war offensichtlich einer bequemen Etabliertheit gewichen. Immerhin gehörte der Umgang mit der E-Post schon zum Repertoir moderner Kommunikation.
So entwickelte sich dennoch fernab websitegestützter Communities eine Gruppe, in der sich ein Netz von Mailkontakten knüpfte. Das hatte schon eine gewisse Ähnlichkeit mit bekannten Mustern. Auch hatte es wieder diesen gewissen Charm der technischen Unprofessionalität, die den Alten "blickwinkel" schon gut 20 Jahre zuvor ausgezeichnet hatte.

Mit diesem Kompromiß aus Nostalgie und Moderne lebten wir fortan für rund 10 Jahre. Die Gedanken an eine eigens zu erstellende Website wurde mehrfach verworfen. Wir wollten ja nicht öffentlich sein. Dieses leicht verrucht Konspirative ließ uns die Freiheit, gedanklich auch alle Nebengeleise zu erkunden, deren Wege alleine schon keinerlei gesellschaftliche Konformität versprachen. Die alte Rebellion, die einst so diebische Freude bereitete, klopfte wieder an die Tür. Da war sie wieder, die leise verstohlene Anarchie, und sie drängte förmlich durch den Spalt der vorsichtig geöffneten Pforte. Sie erkundete sogleich in routinierter Weise die vorgefundenen Räumlichkeiten mit dem Ziel des möglichst raschen Besetzens jeglicher Nischen, die dem berufsbedingten Glattbügeln entgangen waren.

Glücklicherweise, wie wir aus unserer heutiger Sicht bekennen müssen, fand der Kampf zwischen dem alten Dämon der "Rebellion gegen Alles" und dem bis zu Langeweile geläuterten "modifizierten Lebensentwurf" nahezu im Verborgenen statt. Die Mailkorrespondenzen aus diesen Jahren waren zu unserem Vorteil noch keiner längeren Speicherung unterworfen. Nur so viel sei verraten, daß die einstmals durch die Schulzeit hindurch gepflegte Linke sich lange und bewundernswert zäh den Erkenntnissen einiger Jahrzehnte der Lebenserfahrung widersetzte.
Schon bei Annäherung an den Begriff "Lebenserfahrung" hätten wir damals repelliert. Heute sind wir in diesem Punkt gelassener und sitzen entspannt und interessiert auch gerne mal mit den "wirklich Alten" am einen oder anderen Thema. Vom Privileg der Arroganz haben wir uns hoffentlich weitgehend verabschieden können - mein Gott, was ein Kampf !

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