Themenübersicht

Lebensbedingungen verwilderter Katzen im räumlich definierten Gebiet

Gruppenbildung, Sozialisation

Beschreibung und Nutzung des Beobachtungsgebietes

Alter der beobachteten Katzen

Geschlechterverteilung innerhalb der Population

Unterschiede zwischen Stadt und Land

haus-tier

Grundlagen und Quellen

Beobachtungen medizinischer Laien im näheren Umfeld des eigenen Wohnortes

Erinnerungsprotokolle aus dem Zeitraum von ca 1998 bis 2007 sowie genauere Aufzeichnungen von 2007 bis 2010

Bilddokumentationen aus 2009 und 2010
Befragungen lang ansässiger Mitbewohner der Siedlung

Daten und Berichte mehrerer Bewohner im Beobachtungsgebiet
250 x 250

Fortsetzung
verwilderte Hauskatzen
Teil 2
verwilderte Hauskatzen
Teil 3

Lebensbedingungen

Die mögliche Populationsdichte von Katzen zeigt individuell grosse Unterschiede und hängt auf den ersten Blick überwiegend vom Nahrungsangebot ab. Ebenso spielen topographische und klimatische Bedingungen eine Rolle. Im hier beschriebenen Fall sind alle diese Gegebenheiten nahezu optimal. Ein Massiv aus Kalkstein bietet zahllose Höhlen, das mediterrane Klima unmittelbar am Meer gewährleistet nahezu frostfreie Winter, zahlreiche Touristen sorgen für ausreichend essbare Abfälle und oft auch für hochwertige Fütterung.


Gruppenbildung

Die Tiere leben bei diesen, im Sommerhalbjahr sehr comfortablen Bedingungen in losen Gruppen aus überwiegend weiblichen Katzen, die irgendwie fast alle miteinander verwandt sind. Die Streifgebiete sind auf wenige hundert Meter begrenzt. Fress- und Ruheplätze werden gemeinsam genutzt. Im Winter ändern sich die Lebensbedingungen dramatisch. Bei geringem Nahrungsangebot leben dann alle Katzen, selbst Mütter und ihre Jungen zunächst eher einzelgängerisch. Bestehende Gruppen aus den Vorjahren sind dann im Laufe des Winters meist in gewohnter Formation wieder anzutreffen. Jungtiere aus dem letzten Frühjahr integrieren sich vereinzelt in bestehende Gruppen, andere sind "verschwunden". Präferenzen zwischen den Individuen sind nach Abstufungen eindeutig auszumachen.

Meist handelt es sich um Kleingruppen von 2 bis 3, manchmal bis zu 5 Tieren mit hohem Sozialisationsgrad. Sobald die Zahl innerhalb dieser Gruppe steigt, findet eine Aufteilung statt, bei der man bereits vorhersagen kann, welche Katzen sich welcher Gruppe anschliessen werden.


Art und Nutzung des Beobachtungsgebietes

Das beobachtete Streifgebiet beschränkt sich auf ein Terrain von etwa 100 m Breite entlang einer Felswand auf etwa einem Kilometer Länge, der als Gruppenterritorium von geschätzt 50 bis 100 adulten Tieren gemeinsam genutzt wird. In wie weit sich die Unterterterritorien gegenseitig überschneiden, ist stark abhängig von der Futtersituation.
Generell lässt sich eine Art Kernterritoruim im Bereich nur weniger Wohnhäuser und ein erheblich weiter gefasstes Streifgebiet mit kaum mehr als 100 m Radius feststellen. Dieses Streifgebiet vergrössert sich im Winter bei geringerem Angebot an Futterstellen. Das ist anhand der Zyklen nachzuvollziehen, in denen die einzelnen Tiere bestimmte Futterstellen aufsuchen.


Über Tag zeigen sich mehrmals stets die selben 3 bis 5 Katzen am selben Fressnapf. Zu individuell unterschiedlichen Tageszeiten kommen dann auch andere Kleingruppen. Die Lebensgewohnheiten in den jeweiligen Haushalten scheinen den Tieren schnell geläufig zu werden. Haushalte mit frühem Tagesrhythmus werden ebenso gezielt zur passenden Tageszeit aufgesucht, wie Haushalte, in denen nachtaktivere Bewohner Futter bereitstellen. Weicht der Haushalt einmal vom gewohnten Tagesablauf ab, findet die Versammlung vor leeren Näpfen statt. Auch wird sehr schnell unterschieden zwischen wechselnden Mietern. Da die Wohnsiedlung vorwiegend aus Ferienhäusern besteht, wechseln die Mieter im Sommer alle 1 bis 2 Wochen. Die Fütterungsbereitschaft der jeweiligen Nachmieter wird schnell und zielsicher ermittelt und die Katzen stellen sich oft noch am selben Tag darauf ein.







Altersfeststellung der beobachteten verwilderten Hauskatzen

Das Alter der Katzen lässt sich ohne eingehende Untersuchung nur durch die Aufzeichnung langfristiger Beobachtungen nachvollziehen. Das Erscheinungsbild, an dem man Rückschlüsse auf das Alter ziehen könnte, ist auch innerhalb von Tieren aus dem selben Wurf zu unterschiedlich. Bereits während der Wachstumsmonate sind die Tiere unterschiedlichen Krankheiten ausgesetzt, deren Verlauf die spätere Grösse und auch das Erscheinungsbild beeinflusst. Gesunde und gut gewachsene Katzen wirken oft jünger, kranke Tiere werden meist älter geschätzt.
Daher ist eine gesicherte Altersangabe hier nur für die dokumentierten Katzen möglich. Festzustellen ist, dass über einen Zeitraum von nunmehr zehn Jahren kein Exemplar älter als 4 Jahre ist. ( mit Ausnahme der ebenfalls umherstreifenden Hauskatzen, die zum Teil weit über zehn Jahre alt sein dürften ).
Balance zwischen männlichen und weiblichen Katzen

Bei den Würfen der wildlebenden Katzen ist ein ungefähres Gleichgewicht in der Zahl männlicher und weiblicher Nachkommen zu erkennen. Bei den erwachsenen Tieren überwiegt ganz deutlich die Zahl der Weibchen. Wäre dies nur auf territoriale Verdrängung zurückzuführen, müssten die Kater anderer Reviere ebenso migrieren, und die Zahl würde sich ausgleichen. Der Überhang weiblicher Katzen erklärt sich somit nur aus der Annahme, dass die Lebenserwartung von Katern wohl weit geringer sein kann als die der weiblichen Katzen.
Auch während der Paarungszeit, wenn die reproduktiven Kater ihre Streifgebiete erweitern, sind nur vereinzelt revierfremde Kater anzutreffen. Folglich ist anzunehmen, dass auch ausserhalb des Beobachtungsraumes mehr weibliche als männliche Katzen leben.







Unterschiedliche Lebensbedingungen zwischen verwilderten Hauskatzen auf dem Lande und in der Stadt.

Entgegen der Lebensbedingungen, die verwilderte Hauskatzen in unseren Städten vorfinden ( Grünanlagen, Gärten oder Hinterhöfe sowie leerstehende Gebäude), besteht das hiesige Beobachtungsbebiet aus einer unmittelbar an eine Naturlandschaft grenzenden Feriensiedlung mit nur wenig Verkehrsbewegungen, einigen Spaziergängern und Radfahrern. Die Katzen werden regelmässig von Anwohnern und über die Urlaubssaison auch von Feriengästen gefüttert, ansonsten ernähren sie sich durch das Schlagen von Kleinsäugern und Vögeln. Abfalltonnen sind alle mit Deckeln verschlossen.
Somit ist die Beeinflussung die Mortalitätsrate durch Gefahren des urbanen Lebens verhältnismässig gering und ein reichliches Nahrungsangebot ist vorhanden. Daher muss die Population der verwilderten Hauskatzen kontrolliert beeinflusst werden.




Das Beobachtungsgebiet ist weder als typisch ländlich noch gar als städtisch zu betrachten. Die Eigenheiten einer Feriensiedlung bietet einerseits eine durchaus ländliche Ruhe, besonders im Winterhalbjahr, zeigt aber auch eine für Städte übliche Wohndichte in der Hauptsaison. Das verkehrsarme Wohngebiet verfügt also über mehrere Elemente beider Lebensräume und kann daher eine gewisse Relevanz der Beobachtungen in beiden Richtungen beanspruchen. Nur die Auswirkungen urbanen Strassenverkehrs und industrielle Einflüsse können nicht in die Betrachtungsergebnisse einfliessen.