Themenübersicht

Katzen und Zivilisation

Jagdverhalten

Fertilität und Populationsdichte

Populationskontrolle

konkrete Massnahmen

Überlebensrate bei Jungtieren

Katze ab dem dritten Lebensmonat

zu Seite 1 verwilderte Hauskatzen
zu Seite 3 verwilderte Hauskatzen
haus-tier

Grundlagen und Quellen
Beobachtungen medizinischer Laien im näheren Umfeld des eigenen Wohnortes

Erinnerungsprotokolle aus dem Zeitraum von ca 1998 bis 2007 sowie genauere Aufzeichnungen von 2007 bis 2010

Bilddokumentationen aus 2009 und 2010
Befragungen lang ansässiger Mitbewohner der Siedlung

Daten und Berichte mehrerer Bewohner im Beobachtungsgebiet
250 x 250


zum Verhältnis von Bewohnern und verwilderten Hauskatzen in Siedlungsgebieten

Verwilderte Hauskatzen sind nicht bei Jedem gerne gesehen. Sie gelten als Krankheitsreservoir, und die mögliche Übertragung von Krankheiten auf Menschen und deren Hauskatzen wird als unweigerliche Gefahr empfunden. Katzen können jede Menge Krankheiten bekommen, die jedoch fast alle dem Menschen nicht gefährlich werden. Früher war besonders die Übertragung der Tollwut gefürchtet, da verwilderte tollwütige Katzen wegen der Nähe zum Menschen ein weit grösseres Infektionsrisiko darstellen als Wildtiere. Seit der erfolgreichen Tollwutprophylaxe durch flächendeckende Individualimpfung der Haustiere und Köderimpfung frei lebender Tiere, bleibt ein medizinisches Hauptrisiko in der möglichen Übertragung von Toxoplasmose auf schwangere Frauen. Risiken bei einem unvollständigen Tetanusschutz, eventuell auftretende Allergien oder die Übertragung von Wurmbefall sind weniger den verwilderten Tieren anzulasten. Für den eigenen Impfschutz hat der Mensch selbst zu sorgen, Allergene zeigen im Freien kaum Wirkung und eine Entwurmung der Tiere ist bei Gewöhnung an Futtergaben ein sehr preiswert zu lösendes Problem. So lange nicht jeder Nachbar nun beginnt, ohne Absprache alle Katzen entwurmen zu wollen, ist eine solche Massnahme leicht und gefahrlos durchführbar. Das gleiche gilt für Fellparasiten.
Jagdverhalten verwilderter Hauskatzen

Ein weiteres Problem liegt im natürlichen Jagdverhalten der Katzen. Freigänger-Katzen und verwilderte Katzen jagen, unabhängig vom Futterangebot, was zwischen Katzenfreunden und Vogelschützern immer wieder zu den unvermeidlichen Konfrontationen führt.
Beide Probleme stehen in engem Zusammenhang mit der jeweiligen Populationsdichte. Je mehr Vögel als potentielle Opfer vorhanden sind, um so häufiger werden diese auch erwischt und "totgespielt". Der Verzehr ist oft nur Nebensache. Aussterben wird davon keine Vogelart, da ist der Mensch schon weit erfolgreicher gewesen.
Mit der Zahl der Katzen, die in einem Gebiet leben steigt auch die Gefahr der Krankheitsübertragung und der Jagddruck auf Vögel und Kleinsäuger nimmt zu. Das verändert auch das Sozialverhalten der Katzen untereinander. So steigt das Risiko, von aggressiven Artgenossen verletzt werden zu können, was wiederum Krankheitsverläufe negativ beeinflusst und wegen der längeren Krankheitsdauer die Zahl gesundheitlich angeschlagener Katzen erhöht.







Probleme durch hohe Fortpflanzungsrate

Eine Katze kann unter den im Beobachtungsgebiet gegebenen Bedingungen 2x im Jahr je drei bis fünf Jungtiere bekommen. In wie weit Ernährungs- oder Gesundheitszustand der Katze Einfluss auf die Zahl der geborenen und aufgezogenen Jungtiere hat, konnte nicht festgestellt werden, da sich keine Korrelation zeigte. Die Zahl der verwilderten Katzen regelte sich über Jahre hinweg durch Zu- und Abnahme von Krankheiten und glich sich zwischen den Revieren durch sich anpassende Migration bei unausgewogener Populationsdichte aus.

Mit steigender Besiedelungsdichte durch den ständigen Bau neuer Ferienhäuser wurde die grosse Population zunehmend als unangenehm empfunden. Aus besagten gesundheitlichen, aber auch nicht zuletzt aus ethischen Gründen ist eine als zu hoch empfundene Populationsdichte ebenso inakzeptabel wie eine hohe Mortalitätsrate der verwilderten Katzen. Daher ergab sich der Anstoss zum Eingriff in die zuvor natürlich bestehenden Balance.
Sinn, Notwendigkeit und Methoden der Populationskontrolle

Vielerorts werden unterschiedliche Methoden der Populationskontrolle praktiziert. Lange Zeit war es üblich, überzählige Jungtiere oder auch erwachsene Katzen zu töten. Diese Unsitte ist in anderen Kulturkreisen aber auch in vielen ländlichen Regionen heute noch gängige Praxis. Katzen sind, gemessen an den Haltungszahlen die beliebtesten Haustiere, und zahlreiche Tierfreunde bringen auch verwilderten Katzen Zuneigung entgegen, so kommen Methoden wie Abschuss, Vergiftung oder gar die bewusste und gezielte Ausbringung von Krankheiten zur Populationskontrolle verwilderter Katzen nicht in Betracht. Es sind Methoden notwendig, welche die Populationskontrolle ethisch vertretbar und tierschutzgerecht ermöglichen. Ziel ist die Verringerung der Reproduktionsrate zur Populationskontrolle. Verwilderte Katzen werden im Idealfall einigermassen handzahm gemacht, was allerdings einen hohen Zeitaufwand und Geduld erfordert, dann eingefangen, chirurgisch sterilisiert und verbleiben in ihren gewohnten Lebensraum. Dort besetzen sie als Platzhalter ihre Territorien, um die Zuwanderung fremder, fertiler Katzen zu verhindern.



Konkrete Massnahmen zur Begrenzung der Katzenpopulation

Im Beobachtungsgebiet wurden vor allem in den letzten zwei Jahren zahlreiche Kastrationsaktionen durchgeführt. Dabei wurden von Anwohnern verwilderte Katzen bewusst angefüttert, um sie baldmöglichst operativ kastrieren zu lassen und anschliessend in ihren ursprünglichen Gebieten wieder freizulassen.
Zum Teil konnte der Bedarf an Eingriffen durch Gutscheine der Gemeinde gedeckt werden, weitere Sterilisationen wurden in Privatinitiative bezahlt.Wegen der begrenzten Ressourcen wurden nur weibliche Katzen sterilisiert. Die Entscheidung, Kater als reproduktiven Bestand zu belassen, hatte noch einen weiteren Grund. Die Territorien kastrierter Kater sind meist kleiner, und diese Einflussgebiete werden weit weniger gegen Rivalen verteidigt. Folglich würde sich sehr bald ein anderer, noch zeugungsfähiger Kater einfinden, um die noch fertilen weiblichen Tiere zu belegen.
Sieht man den tierärztlichen Eingriff als Investition, würde sich diese auch weit weniger amortisieren, da die Lebensspanne eines männlichen Tiers als wesentlich geringer angenommen wurde. Die Zahl der zu beobachtenden Jungtiere hat durch diese Massnahmen in den letzten zwei Jahren signifikant abgenommen. Die Population ist, zumindest nach den Beobachtungsergebnissen rückläufig, der Nachwuchs geht aktuell gegen Null.
Überlebensrate von Jungtieren bei verwilderten Hauskatzen

Von den, im Frühjar gesetzten Jungtieren konnten circa 15 festgestellt und davon 8 genauer beobachtet werden.  Weitere Jungtiere wurden nicht gesichtet. Ihre Existenz zu dieser Zeit kann aber aus den erkennbar vergrösserten Gesäugen mehrerer Muttertiere abgeleitet werden. Nimmt man ein Mittel von 4 Jungtieren je Mutterkatze an, so ergibt sich eine Anzahl un die 30 Jungkatzen, von denen im Alter von 3 Monaten nur zwei Jungtiere zu beobachten sind.
Zwei Würfe erfolgten im unmittelbaren Beobachtungsbereich mit 5 respective 3 Jungen, ein weiteres Junges wurde im Alter weniger Tage von einem Muttertier gebracht. Die Versorgung wurde nahezu ausschliesslich den Muttertieren überlassen. Entnahmen aus dem Nest erfolgten nur zur Reinigung und zum Wechsel der Nesteinlagen. Auch auf Gewichtskontrollen und veterinärmedizinische Untersuchungen wurde verzichtet. Distanz und Ruhe wurde weitgehend gewahrt. Es erfolgten täglich mehrmalige Sichtkontrollen auf eventuelle Parasiten, ohne Feststellungen.
Vier der Jungtiere verstarben innerhalb der ersten Wochen jeweils im Abstand weniger Tage ohne zuvor erkennbare Krankheitszeichen. Die anderen Jungtiere wurden nach wenigen Wochen an andere Orte verbracht. Auf eine Suche wurde bewusst verzichtet, um die weitere Aufzucht nicht zu beeinflussen. Es war auch nicht zu ermitteln, welche Mutterkatze sich fortan um welchen Nachwuchs kümmerte.
Adoption von Jungtieren und das Zusammenlegen von Würfen innerhalb der Gruppe machten es darüber hinaus schwierig, die Wurfzugehörigkeit kontinuierlich festzulegen. Der jeweilige Abstammungskater liess sich nur anhand äusserer Merkmale mutmassen und ist daher nicht Bestandteil der Protokolle.







Jungkatzen ab dem dritten Lebensmonat

In der Zeit des zweiten und dritten Lebensmonats wurden die Beobachtungen weitgehend unterbrochen, um eine zu weitgehende Domestizierung zu vermeiden. Verwilderte Katzen können auf Störungen empfindlich reagieren und die Jungen verlassen, in Einzelfällen werden auch mögliche Tötungen vermutet. Dadurch schien es nicht sinnvoll, die weitere Entwicklung der Jungen zu verfolgen. Es ist nicht auszuschliessen, dass das eine oder andere Jungtier von Urlaubern mitgenommen wurde. Bei Wiederaufnahme der genaueren Beobachtungen im vierten Lebensmonat der Jungtiere kehrte eines der Muttertiere mit einem einzelnen Jungtier an den Wurfort zurück.
Was im ersten Moment nach zielstrbiger Sicherung einer zuverlässigen Nahrungsversorgung aussah, zeigte sich schnell als typisch menschliche Fehlinterpretation. Dass das Junge im Schlepptau der Mutterkatze folgte, war dieser bei genauerem Hinsehen wohl eher lästig. Alle Versuche der physischen Kontaktaufnahme des Jungtiers zur Mutterkatze wurden wehement abgewehrt, was wohl ein Verhaltensbestandteil des Abstillens war.


Spielansätze des Jungtiers, inzwischen im vierten Lebensmonat, wurden mit Pfotenhieben pariert, die nur unschön anzusehen waren. Weitere Jungkatzen waren nicht im Umfeld, so dass der Versuch, den Spieltrieb beim Menschen auszuleben, nicht lange auf sich warten liess.
Entgegen aller guten Vorsätze gibt es nun eine "adoptierte Redaktionskatze", die den ganzen Tag Heim und Büro unsicher macht und entsprechende Untugenden pflegt. Ob das auf Dauer gut ist, wird sich zeigen. Der zugewiesene Schlafplatz befindet sich jedenfalls ausserhalb der Wohräume im Wintergarten. Das wird seitens der Jungkatze, wenn auch mit gelegentlichem Widerspruch, akzeptiert.

Zumindest bezüglich dieses Jungtiers kann das Beobachtungsprojekt getrost als gescheitert betrachtet werden. Angesichts des geringen Nachwuchses von nur zwei seither gesichteten Jungtieren schien es uns zu kaltherzig, den einzelnen Nachwüchsling quasi sitzen zu lassen. Eine normale wildlebende Katze wird aus diesem Exemplar sicher nicht mehr zu machen sein. Aber das werden die noch folgenden Integrationsversuche zeigen. Der langsam kommende Winter wird sehr bald die Katzen näher zusammenrücken lassen, dann ergibt sich vermutlich auch die Integration des Einzeltiers in eine Gruppe. Not kann bekanntlich auch friedlich machen.