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Populationskontrolle bei verwilderten Hauskatzen

Gründe für zu hohe Bestände

Vergleich Stadt / Land

Massnahmen Sterilisation / Kastration


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Auch wenn zum generellen Eingriff in die Populationentwicklung verwilderter Katzen kontroverse Grundhaltungen in der Gesellschaft bestehen, ist das Argument des unerwünschten Eingriffes in natürliche Vorgänge seitens des Menschen von der einen wie der anderen Argumentationslinie her anzuführen...
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Populationskontrolle bei verwilderten Hauskatzen

Gründe für zu hohe Bestände an verwilderten Hauskatzen

Der Ursprung hoher und dichter Katzenpopulationen ist keinesfalls naturgegeben. Vielmehr sind signifikante Bestandszuwächse immer auch die Folge menschlichen Tuns. Wenngleich Katzen selbst auf geringe Veränderungen in ihrem gewohnten Umfeld sehr empfindlich reagieren können, sind sie, was den Lebensraum betrifft, sehr anpassungsfähig. Sie sind in der Lage, erstaunlich flexibel Nischen zu besetzen und diese erfolgreich zu besiedeln.




freilebende Hauskatzen in den Städten

Besonders urbane Strukturen zeigen Refugien, deren Habitat-Eigenschaften nicht gleich zu erkennen sind. Gewandt und kreativ öffnen Katzen schlecht gesicherte Müllcontainer, nutzen den geschützten Raum unter geparkten Fahrzeugen, finden den Weg in selten genutzte Garagen und Leerstände. Industriebrachen nehmen schon im Zeitpunkt ihrer Entstehung ganze Gruppen von Tieren auf, die unter entsprechendem Migrationsdruck bereits vor dem Ankommen der zugehörigen Nahrungskette den neu gewonnenen Lebensraum beanspruchen. Zentrale Abfallsammlungen sind ebenso als Nahrungsquelle dienlich wie auch die gar so beliebten "gelben Säcke", die zu öffnen ein leichtes ist. Ob das Durchpflügen unseres allerorten feilgebotenen Wohlstandsmülls nun besser Katzen, Ratten oder gar Waschbären übernehmen sollen, sei dem persönlichen Geschmack eines Jeden überlassen. Festzustellen bleibt, dass es zunächst einmal der Mensch selbst ist, der für die Zuwanderung und Vermehrung der städtischen Mitbewohner das Feld bereitet.
 



 

freilebende Katzen in ländlichen Gebieten

Anders stellt sich die Situation in den ländlichen Strukturen dar. Dort war die Katze stets ein willkommener und sehr nützlicher Partner beim Schutz von Ernte und Saatgut. Die sympathischen und oft unscheinbaren Allesfresser mit der unbändigen Vorliebe für Kleinsäuger und der bewundernswerten Fähigkeit, diese auch in den entlegensten Verstecken aufzufinden und unerbittlich zu verfolgen, waren aufgrund ihres üblichen Speiseplans nie ein wirklicher Nahrungskonkurrent des Menschen. Die Eigenständigkeit von Katzen bezüglich ihrer Nahrungsbeschaffung machte eine vollstänige Domestizierung nicht zur Haltungsbedingung. Im Gegensatz zu Hunden sind Katzen auf dem Lande keinesfalls auf Fütterung angewiesen. Die ungehemmte Jagt auf Mäuse und Ratten, Maulwürfe und Echsen wird nicht gleich als Wilderei empfunden - ganz im Gegensatz zu den Speisegewohnheiten von Hunden, bei denen durchaus auch mal ein Nutztier dabei sein darf. Auch wenn Katzen gerne den einen oder anderen Vogel verspeisen, ein gesundes Huhn weiss sich zu wehren, und wer schon einmal beobachten durfte, wie eine Henne die Brut und selbst bereits die gerade gelegten Eier verteidigt, ahnt schnell, warum die meisten Katzen einen respektvollen Radius um jedes Federvieh dieser Grösse beschreiben.
So war und ist die ausgewogene Koexistenz zwischen Bewohnern ländlicher Räume nie ein Problem.

Massnahmen gegen zu hohe Bestände verwilderter Katzen

Die städtischen Probleme, die der Mensch mit den Katzen hat, sind hausgemacht und keinesfalls den Katzen anzulasten. Also haben Eingriffe in die Population nach vertretbaren Kriterien zu erfolgen. Die restriktiven Vorgaben liegen im Tierschutz, die moralischen im ethischen Verständnis. Es dürfte inzwischen gesellschaftlich-kultureller Konsens sein, dass Ersäufen, Erschlagen, Vergiften oder was auch immer manch pervertiertem Menschenhirn einfallen möge, indiskutabel ist und zu recht unter Strafe steht.
Die Methode des Einfangens, Kastrierens und Zurückbringens zum angestammten Revier ist bereits seit den 70er Jahren erprobt. Das erweist sich, verglichen mit früher üblichen Methoden der Eliminierung von Katzenkolonien, als weitaus effizienter.


Kastration / Sterilisation von Katern

Als Kastration wird korrekterweise die operative Entfernung der reproduktiven Organe bezeichnet, wodurch die Katzen dauerhaft unfruchtbar werden und ihre sexuellen Aktivitäten nahezu einstellen. Auch kastrierte Tiere können ihren angestammten Lebensraum gegen zuwanderungswillige Katzen gleichen Geschlechts verteidigen und damit fernhalten, wenn auch in geringerem Masse als fertile Tiere. Die nachlassende Bereitschaft zur Verteidigung ist besonders bei Katern zu beobachten. Somit bleibt bei Kastration der männlichen Tiere die Anzahl fertiler Kater im Streifgebiet nahezu konstant, da die Verluste fertiler Kater durch Zuwanderung ausgeglichen wird. Die Kastration von Katern erfolgt durch die chirurgische Entfernung der Hoden. Es handelt sich dabei um eine relativ einfache Operation, die ein geübter Tierarzt in nur wenigen Minuten durchführen kann. Die operierten Tiere können bereits nach wenigen Stunden wieder freigelassen werden. Die Auswirkungen der Kastration von Katern sind vom Alter des Tieres abhängig. Bei der Frühkastration kann das katertypische Aussehen wie dickerer Kopf, breitere Wangenknochen und der allgemein kräftigere Körperbau geringer ausgeprägt sein. Das typische Harnspritzen, von Katzenhaltern verständlicherweise als unangenehm empfunden, tritt nur noch selten oder gar nicht auf, die Agressionsbereitschaft ist sehr gering und das Streifgebiet ist enger begrenzt. Die Kastration von Katern scheint bei dem Bestreben, die Zahl der Katzen in einem Gebiet zu verringern, nicht zielführend, denn diese Massnahme hat zur Folge, dass durch Zuwanderung fertiler Kater die Population sogar ansteigen kann. Die Reproduktionsrate bleibt somit unverändert hoch, und die steigende Qualität des Genpools kann überdies die Widerstandsfähigkeit folgender Generationen gegenüber ansonsten dezimierender Krankheiten verbessern.
Im Unterschied zur Kastration bleiben nach der Sterilisation von Katern die Paarungsbereitschaft und das ansonsten typische Katerverhalten weitgehend bestehen. Daher ist es möglich, bei weiblichen Katzen auch durch Paarung mit einem sterilisierten Kater eine Scheinträchtigkeit hervorzurufen und damit eine echte Trächtigkeit zu verhindern.
Da aber Kater keine exklusiven Territorien besitzen, ist die gleichzeitige Anwesenheit fertiler Kater sehr wahrscheinlich, und ein einzelner genügt, um eine Vielzahl aufnahmebereiter Weibchen zu decken. Dieser Erkenntnis folgend ist der logische Schluss, möglichst viele weibliche Tiere zu sterilisieren oder zu kastrieren.
Kastration / Sterilisation weiblicher Katzen

Zur Kastration von weiblichen Katzen gibt es zum einen die Ovarektomie (Entfernung der Eierstöcke) bzw. die Ovariohysterektomie (Entfernung von Eierstöcken sowie der Gebärmutter). Diese Operation kann über einen Bauchschnitt oder als Flankenlaparotomie erfolgen. Bei verwilderten Katzen ist der Flankenschnitt bevorzugt, da die Wundheilung einfacher überwacht werden kann und das Infektionsrisiko geringer ist. Die seitlichen Narben befinden sich nicht an schwer zugänglichen Liegestellen.

Die Sterilisation weiblicher Katzen erfolgt durch die Durchtrennung oder den Verschluss der Eileiter. In der Folge bleiben die Tiere weiterhin paarungsbereit und für Kater attraktiv. Dauerrolligkeit kann jedoch die Nebenwirkung sein, da keine tatsächliche Trächtigkeit zustande kommt, und der unausgewogene Hormonstatus birgt langfristig weitere Risiken für das Tier. Die zu bevorzugende Methode scheint also die etwas aufwendigere Kastration.

Die Kastration von trächtigen Katzen wird unter Tierschützern und Tierärzten unterschiedlich beurteilt. Bei verwilderten Katzen gibt es allerdings kaum eine ideale Zeit zur Kastrationsaktion. In der kalten Jahreszeit ist die zur Operation nötige Rasur ein gesundheitliches Risiko, und in der warmen Jahreszeit, von Beginn des Frühjahrs bis in den Herbst hinein können verwilderte Katzen trächtig oder säugend sein. Der geeignete Zeitpunkt lässt sich durch möglichst genaue Beobachtung ermitteln, das setzt aber einiges Engagement voraus.


Katzen können bereits sehr jung kastriert werden. Wie zu fast allen Fragen dieses Themas gehen dabei die Meinungen auseinander.
Befürworter betonen positiv die Übersichtlichkeit des Operationsfeldes und die noch geringere Durchblutung der Organe vor erreichen der Geschlechtsreife, daher eine schnellere Wundheilung beim Jungtier. Die Folge ist aber auch eine sehr frühe unnatürliche Veränderung des Hormonhaushalts. Körperlich kann sich, Berichten zufolge, ein eventuell länger anhaltendes Wachstum und Gewichtszunahme zeigen.
Die eigentliche Problematik bei verwilderten Katzen liegt aber in der Verhaltensänderung. Frühkastrierte Katzen bleiben infantiler. Das mag für eine reine Hauskatze noch ganz "putzig" sein, ist aber für freilebende Tiere unangebracht. Das dauerhaft kindliche vermindert die Durchsetzungsstärke gegenüber anderen Katzen und damit die Fähigkeit, sich normal in die Sozialstruktur einer bestehenden Katzenpopulation einzufügen. Der von Hunden bekannte instinktive Agressionsstop gegenüber Welpen ist bei Katzen nicht so ausgeprägt. Erwachsene Katzen mit weiterhin kindlichem Verhalten stehen schnell ausserhalb der Sozialstrukturen und werden zum "Prügeldeppen" gestempelt - eine für das Tier unzumutbare Lage. Die unter Katern üblichen Rangkämpfe werden frühkastrierte Tiere also ihr Leben lang verlieren. Unkastrierte bzw. später kastrierte Kater entwickeln und behalten ihre Kampfbereitschaft. Die Attacken durch Artgenossen werden irgendwann also auch einmal gewonnen, und der heranwachsende Kater übernimmt, wenn auch manchmal erst nach Jahren, den Generationswechsel.

Geeigneter scheint die Frühkastration bei weiblichen Katzen. Narkose und Operation ist zwar schwieriger als bei erwachsenen Tieren, aber freilebende Jungtiere lassen sich noch relativ gut einfangen und die Wundheilung verläuft schneller.

Katzen reagieren empfindlich auf länger andauernde Hormongaben. Hormonspritzen oder die Tägliche Pille werden von vielen Medizinern als Risiko gesehen. Bei verwilderten Hauskatzen sind diese Methoden ohnehin nicht praktikabel. Die notwendige regelmäßige Verabreichung der Medikamente ist nur bei regelmässiger Fütterung sichergestellt, daher ist eine dauerhafte Sterilität durch Kastration der geeignetere Weg.

Das hormonelle Herbeiführen von Aborten bei trächtigen Katzen ist prinzipiell möglich, erscheint aber für freilebende Tiere nicht wirklich zielführend, da auf einen Abort unvermittelt die erneute Rolligkeit und Trächtigkeit folgt. Damit würde nur die Fortpflanzungssaison verlängert, und die Behandlung müsste mehrfach im Jahr wiederholt werden. Als sicher kann gelten, dass die Störung des hormonellen Gleichgewichts bei den so behandelten Katzen langfristig Krankheiten begünstigt.

Natürlich steht auch auf dem Gebiet der Populationskontrolle verwilderter Hauskatzen die Genindustrie nicht abseits. An Methoden, genetisch manipulierte Viren auszubringen, die Trächtigkeiten verhindern könnten, wird geforscht. Sei jedem selbst überlassen, was er darüber denken mag...