Hauskatze, Wildkatze oder verwilderte Katze ?
oder einfach von Allem etwas ?

Die Frage stellt sich bei vielen Freigänger-Katzen, bei denen niemand sich so ganz sicher sein kann, ob denn der Platz des Futternapfes auch in deren Augen ihr Zuhause ist.
Die Eigenart solcher, nennen wir sie einfach mal "Wildkatzen" , besteht in einer Lebensart, die in unnachahmlicher Weise eine Balance zwischen persönlicher Unabhängigkeit und der erfolgreichen Suche nach einem möglichst bequemen Durchkommen vereint, ohne sich dabei charakterlich zu verbiegen.

haus-tier

Mit der gebotenen Vorsicht, bei gleichzeitiger routinierter Beurteilungsschärfe musterten vor einigen Jahren die ersten Exemplare dieser "regional sehr typischen Spezies"
immer wieder unsere Behausung, deren unwiderstehlicher Vorteil gegenüber den Alternativen in der Nachbarschaft wohl in der architektonischen Besonderheit eines Wintergartens bestand.

"regional typisch" bedeutet in diesem Falle:
Wohnort Südfrankreich, Feriensiedlung, im Sommer meist gut gelaunte Feriengäste, von denen der eine oder andere die eigene Katze zuhause lassen musste, und daher nicht nur die Essensreste gerne mal draussen "vergisst".

250 x 250
Im Winter hingegen jede Menge leerer, aber (aus Katzensicht) leider verschlossener Ferienhäuser, in denen niemand anzutreffen ist, der sich um eine Futterspende erbarmen könnte.

Die Probleme kommen unweigerlich :
Natürlich weiss jeder, dass es irgendwie nicht ganz korrekt ist, der Natur ins Handwerk zu pfuschen, indem man eigentlich wild lebende Katzen quasi anfüttert. Dieser Eingriff in die natürlichen Abläufe, wie sie sich seit Generationen bewährt haben, ist kaum zu rechtfertigen, andererseits für jeden Tierfreund sicher nachvollziehbar.

Die sinnvollste Alternative bestünde in der "Gefangennahme" der Probanten und anschliessendem Tierarztbesuch, auf dass der Nachwuchs künftig unterbunden werde. Das ist aber bei diesen hier als 'chat sauvage' bezeichneten Katzen kaum möglich. Mit gut trainiertem Fluchtverhalten entziehen sie sich sofort jedem Zugriff, als könnten sie den Sinn menschlichen Tuns erahnen.

Üblicherweise erfogt im Laufe eines jeden Winters, der auch in Südfrankreich Minusgrade kennt, auf natürlichem Wege die Reduktion der Bestände auf das Niveau der Vorjahre. Selbst bei einer bekanntermassen hohen Reproduktionsquote ist so über Jahre hinweg keine wesentliche Erhöhung der Population zu verzeichnen. Klingt für den passionierten Hauskatzenhalter brutal und herzlos, ist aber nun mal so...
Was tut man also ? Man lässt sich erweichen, gibt der neuen Katzenfamilie ein vorübergehendes Quartier und setzt sie erst zu Beginn der nächsten Schönwetterphase vor die Türe. Schliesslich kennt man sich ja aus der harten Winterzeit.
Die Frage stellt sich somit wieder im nächsten Jahr.
Mit dieser Frage stehen wir sicher nicht alleine. Vom vielbeschworenen "Einklang mit der Natur" sind wir Menschen manchmal noch viel weiter entfernt, als wir es wahrhaben wollen.
...so war's eigentlich nicht gemeint, als wir einigen "Wildkatzen" ein gelegentliches Winterquartier boten und etwas Trockenfutter nebst einer Heizdecke im Wintergarten bereitstellten.

Bereits wenige Minuten nach dem Wurf gab es Gelegenheit zur ersten Zählung. 5 Stück in allen Farben und Schattierungen, alle lebend und ziemlich aktiv.
( red: off topic aus dem Büro der reiseredaktion.eu )

Nach einer knappen Woche stehen 3 der 5 Winzlinge schon ganz gut im Futter. Zwei der Kleinen haben die erste Woche nicht überlebt, sie wurden bereits ab dem 3. Tag sichtbar schwächer, schliesslich zeigten sie selbst an Nahrung kein Interesse mehr.
Nachdem die beiden verendeten Katzenbabys "entsorgt" worden waren, reagierte die Katzenmutter sichtlich irritiert. Erst am nächsten Tag war das Verhalten nicht mehr auffällig und die Pflege der Jungtiere wurde wieder in gewohnter Form aufgenommen.
Nach einer Woche sind die Augen der Jungkatzen noch geschlossen, auch auf Geräusche reagieren die Kleinen noch nicht. Fast den gesamten Tag wird geschlafen. Aufgeregtes Fiepen ist allerdings sofort zu vernehmen, sobald die Katzenmutter den Wurfkarton betritt.

Die Tatsache, dass die Population der wildlebenden Katzen sich im Laufe der letzten gut 10 Jahren nicht auffallend zu- oder abgenommen hat, lässt für den Aufzuchterfolg eines Wurfes nichts Gutes erahnen.
So auch in diesem Falle.
Nach 10 Tagen hat nur noch die kleinste, auf dem Bild in der Mitte liegende Jungkatze überlebt. Entsprechend intensiv fällt nun die Pflege aus, und das Nahrungsangebot scheint optimal.
Pünktlich zum 10. Tag öffnen sich auch erstmals die Augen. In wenigen Tagen sollte das Jungtier nun auch auf Geräusche aus der Umgebung reagieren.
 
 

 
Am 12. Tag ist eine weitere Beobachtung leider nicht mehr möglich, weil das Muttertier das Junge an einen anderen Ort verbracht hat. Das ist kein ungewöhnlicher Vorgang. Katzen verbringen ihre Jungen während der ersten Zeit oft mehrmals an wechselnde Orte. Es war eher verwunderlich, dass fast 2 Wochen lang kein Umzug stattfand.
2 Tage später erscheint die Katze wieder und untersucht den Wurfkarton, bringt aber das verbliebene Junge nicht zurück. Es ist davon auszugehen, dass auch das letzte Jungtier nicht durchgekommen ist.

Die meisten Jungtiere der freilebenden Katzen werden Opfer verschiedenster Krankheiten und Infektionen. Bereits vor Aktivierung des Immunsystems sind die meisten nicht mehr am Leben.
Überdies drohen Unfälle, Abstürze, Hunger und nicht zuletzt auch die noch relativ ungünstige Position in der Nahrungskette.
Auch für die erwachsenen Tieren sind die Risiken vielseitig. Bei aller Robustheit können dennoch nicht alle Krankheiten unbeschadet überstanden werden.
- zweiter Teil -
ein weiterer Wurf