Über Winter stand eine Katzenbox den freilebenden Katzen zur Verfügung, eigentlich gedacht für besonders kalte Nächte, in denen es im Höhlenlabyrinth des nahen Kalksteinmassivs zu feucht ist.

Nun ist es Mitte Mai, das Wetter ist besser geworden und die Box, die bauartbedingt üblicherweise als Katzenklo dienen soll und auch als solche im Handel angeboten wird, wäre sicher nicht mehr nötig.
...wenn da nicht in der vergangenen Nacht eine der "Wildkatzen" ihren Nachwuchs gesetzt hätte.
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Also bleibt die Box stehen und dient nun nicht mehr als Notquartier für kalte Nächte, sondern als Wurfbox. Mal sehen, wie lange dieses Domizil als Kinderstube akzeptiert wird.

Ausser der Unterstützung in Form von Trockenfutter, Milch und Wasser sowie den einen oder anderen Essensresten sind keine nennenswerten Massnahmen vorgesehen - es sollen ja keine Hauskatzen werden.

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Auf den ersten Blick sind 3 Jungtiere erkennbar. Wir wollen nicht weiter stören und lassen es bei dieser Feststellung bewenden. Die Katze ist sichtlich erschöpft und verlässt die Box nicht.
Draussen sind es nun um die 20 Grad, Sonnenschein, kaum Wind, also relativ gute Bedingungen für die ersten Tage.
Ein Karton mit frischer Decke steht als Alternative bereit. Sollte die Kleinfamilie umziehen wollen, ist dies möglich. Dann wird die ursprüngliche Box gereinigt.
Wir verzichten zunächst bewusst auf direkten Hautkontakt, allzu sehr sollen sich die Wildlinge nicht an menschliche Obhut gewöhnen.


Nachwuchs nach etwa einem Monat

Nach einer Woche hat sich das Bild etwas gewandelt.
Die Box steht nun doch im Wintergarten, der stets gefüllte Fressnapf davor, ebenso eine Milchschale.
Die Katze machte keine Anstalten, nach einem Alternativ-Domizil zu suchen und verliess die Jungen nur immer für wenige Minuten. Also musste die Einrichtung in Anwesenheit gereinigt werden. Das störte das Muttertier nicht ansatzweise.
Mit einem kurzen Seitenblick wurden die Reinigungsarbeiten zur Kenntnis genommen - Fressen war wohl wichtiger.
Auch als die Jungtiere mit der Hand umgesetzt wurden, gab es kein Misstrauen oder gar Widerspruch.
Nun ist es also so weit - was eigentlich vermieden werden sollte, ist eingetreten. Keine Anzeichen mehr von "Wildtier", keine Abwehr, keine Verteidigung -
stattdessen vollstes Vertrauen, Warten auf Futter, Besuch am Esstisch, Ruhezeiten auf dem Sofa.
So bewirbt man sich als Hauskatze...

Von der Geburt an gerechnet, dauert es etwa ein Jahr, bis eine Katze die Erwachsenengrösse erreicht. Ein optimiertes Futterangebot mit einem hohen Anteil an Eiweiss, Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen kommt dem hohen Leistungsbedarf in dieser Wachstums- und Entwicklungsphase sehr entgegen. In den ersten Wochen betrifft das insbesondere das Muttertier, das mit den Mehrlingen an die Grenzen der eigenen Physis geht. Ohne Nahrungsunterstützung erfolgt in der Natur bereits hier die Auslese.
Saisonal fallen die Würfe sehr verschieden aus. Ein Winterwurf hat weit geringere Chancen als ein Wurf im Frühjahr.
Reine Hauskatzen bleiben meist von derlei Erfahrungen verschont, indem der Mensch für eine angenehme Umgebungstemperatur von 20 bis 30 Grad sorgt,
genügend Nahrung bereitstellt, und gegebenenfalls auch noch den Mediziner zu Rate zieht, sobald eines der Kleinen ein wenig schnupft.






Drei Geschwister und eine Einzelkatze ( dreifarbig )
Im Alter von ca. 6 Wochen beginnen die gegenseitigen Besuche






Bei der Geburt wiegt eine Jungkatze um die 100 Gramm. Das Gewicht kann stark variieren, je nach Rasse, bei freilebenden Katzen auch je nach Jahreszeit und Ernährungszustand des Muttertieres, und natürlich auch abhängig von der Wurfgrösse.
Freilebende Katzen haben nicht selten ein oder gar mehrere Junge, die es nicht einmal wenige Stunden schaffen, zu überleben. Bereits nach wenigen Tagen ist nur noch ein Bruchteil des Nachwuchses am Leben. Die Auslese ist nach menschlichem Maßstab extrem.
Die überlebenden Jungtiere zeigen eine rasante Entwicklung. Innerhalb der ersten Woche beginnt das Schnurren, Hören und Krabbeln, jeden Tag gibt es für den Betrachter Neues zu beobachten.
In der zweiten Lebenswoche hat sich das Gewicht verdoppelt, eventuell öffnen sich hin und wieder die Augen, verkleben aber wieder, sobald die nächste Schlafphase folgt.
In der dritten Woche ist mit Gehversuchen zu rechnen, die Augen öffnen sich häufiger, Krallen funktionieren bereits, wenn auch noch sehr unkontrolliert. In der vierten Woche gibt's kleine Milchzähne, in der fünften Woche erwacht das Interesse an Alternativnahrung, es wir also nicht mehr nur genuckelt.

Spätestens jetzt schlägt die grosse Stunde der Hersteller von Spezialfutter. Adressaten sind die Hauskatzen, respektive deren Halter, die "in Katzenkreisen" auch gerne als "Personal" bezeichnet werden.
Industrielles Katzenkinderfutter enthält einen hohen Anteil an Mineralien und Vitaminen, in einem besonders auf die Bedürfnisse von Jungkatzen ausgerichteten
Verhältnis. In diesen Genuss kommt der freilebende Nachwuchs nicht, da kommt nur durch, wer auch ohne Sondernahrung überlebt. Wer diesen "Wildlingen" etwas Gutes tun möchte, sollte es nicht übertreiben. Das Durchpäppeln jeglichen Nachwuchses mag nach unserem sozialstaatsgeprägten Empfinden die einzig vertretbare Handlungsweise sein, damit schaden wir aber der Population. Die Grausamkeiten der Natur sind Teil derselben.

Nur selten ist festzustellen, dass Katzen, die ausserhalb menschlichen Schutzes leben, ihren Nachwuchs vollständig durchbringen. Wer es diesen Katzen durch Futtergaben etwas leichter machen möchte, tut es am sinnvollsten während besonders strenger Winter.


Mit entsprechender Unterstützung stehen die Chancen auch für mehrere Jungtiere bei wild lebenden Katzen nicht schlecht.

auch nach Wochen verkleben die Augen noch bei jedem Schlaf
Trockenfutter als Unterstützung sollte genügen. Dieses hat für die junge Katze obendrein einige Vorteile gegenüber dem Nassfutter. So werden Zähne und Gebiss durch das Zerbeissen der Stücke kräftig und gesund. Es gammelt nicht und zieht weniger Ungeziefer an als Nassfutter. Sonderlich verwöhnt sind die kleinen Streuner ohnehin nicht, die sind meistens schon froh, wenn man sie in Ruhe leben lässt und ihnen das harte Durchkommen nicht auch noch unnötig erschwert.
Freilebende Katzen, die sich die natürliche Scheu vor Menschennähe weitgehend abgewöhnt haben, werden dennoch keine reinen Hauskatzen. Sie werden sich nur bei Bedarf am heimischen Ofen aufhalten, und pünktliches Erscheinen ist bestenfalls zur Fütterungszeit zu erwarten. Auf fremde Besucher reagieren sie mit teils panischer Flucht. Wer solchen halbwilden Nachwuchs beobachten möchte, sollte daher in diesen Wochen auf ein möglichst ruhiges Umfeld achten. Schnell verschleppt das Muttertier ansonsten den
Nachwuchs an eine ruhigere Stelle.
Hier sind zwei Mutterkatzen im selben Quartier. Die Graue mit 3 Jungen, die Rote mit einem einzelnen. Mit grosser Akzeptanz übernehmen beide Muttertiere auch gegenseitig Reinigungs- und Pflegeaufgaben. Alle vier Jungtiere zeigen steigendes Interesse aneinander. Das Einzeljunge ist immer häufiger bei den anderen drei anzutreffen.

Vor allzu grosser Unsauberkeit im Bereich des "Katzenasyls" braucht man sich ohnehin wenig Gedanken zu machen. Das Muttertier sorgt für grosse Sauberkeit in der Kinderstube. Hin und wieder mal die textile Unterlage wechseln und waschen genügt im allgemeinen.

Eine Katze mit Nachwuchs hat eine harte Zeit, da bleibt nicht viel Gelegenheit zur natürlichen Jagd. Es kostet sie viel Aufmerksamkeit und Energie, den Stall kleiner Zöglinge in Schach zu halten. Im zweiten Lebensmonat ist das Lernprogramm umfangreich. Eigene Körperpflege, stetiges Fellputzen, Abschauen des Toilettengangs. Geht die erwachsene Katze nach draussen, werden es auch sehr schnell die Kleinen tun, gibt es ein Katzenklo, wird die Nutzung dieser Einrichtung kopiert. Der Jagdtrieb muss spielerisch erlernt und geprägt werden, das Muttertier schläft fast nur noch bei Erschöpfung. Die kreativen Formen des Geschicklichkeitstrainigs sind verblüffend vielseitig und fordern nicht selten hohe Toleranz seitens der Obdachgeber.

Nach etwa zwei Monaten stillt die Katze ihre Jungen ab. Wem es jetzt zu viel wird, der kann die kleine Familie nun auch "rauswerfen". Das klingt gemein, aber wer bis hier her Hilfestellung geleistet hat, ist um eine grosse Erfahrung reicher und hat obendrein für alles Nötige angemessen gesorgt.
Wer von nun an den Kontakt zu den Jungtieren weiterpflegt, wird spätestens dann ständige Hausgäste heranziehen.

Bedenken sollte man dabei, dass nun aber die Phase ist, in der sich aus dem Spiel der Ernst erfolgreichen Jagens entwickeln muss. Lässt man dem Jagdtrieb freien Lauf, hat die Katze gute Chancen, frei zu überleben. Hält man sie ab nun weiter handzahm, hat man sie gerechterweise auf Dauer "an der Backe", eine Verpflichtung, die man sich aber selbst geschaffen hat, und mit der man verantwortungsvoll umzugehen hat.

Wer die Kleinen gerne abgeben möchte, sollte den Familienverbund bis zum Ende des dritten Lebensmonats erhalten. Eine frühere Trennung von Geschwistern und Muttertier hinterlässt Spuren. Auch Katzen haben eine Psyche. Im dritten Monat also
"Abstand gewinnen oder noch mindestens 4 Wochen weiterversorgen" !


Entgegen einer weit verbreiteten Meinung sind Katzen keine Einzelgänger, es sind Gruppentiere mit hohem Sozialisationsanspruch.


memos :
rote Katze Alter ca 1 Jahr mit 1 Jungtier, angeschleppt,
graue Katze Alter ca. 2 Jahre mit 3 Jungtieren, Wurf über Nacht in der Box

beide Würfe etwa zur gleichen Zeit
Beide im selben Wintergarten untergebracht
Im 2. Monat säugen und pflegen Beide alle 4.
bestimmte Kater werden in Aufgabenteilung ferngehalten. Die Jungen wechseln die Nester.
Ein Graues hat Hängebauch, evtl Nabelbruch von Geburt an