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Gastbeitrag
Stachelschriften
...aus Magazin blickwinkel - Ausgabe Februar 2015
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Baustellen


Der Wettlauf um die schnellste Meldung
Jeden Tag eine neue Krise
Jeden Tag eine neue Sau durch's Dorf
1 - Zu fast allen Zeiten gab es stets so viele Krisen wie noch nie zuvor.
Und genau so ist es auch heute wieder einmal. Noch niemals in der Menschheitsgeschichte gab es so viele Katastrophen und Nöte wie in der ganz aktuellen Gegenwart.
Richtig mag sein, daß wir noch niemals so viel davon hörten. Das liegt aber sicherlich nicht an der extremen Brisanz der Lage. Vielmehr war die mediale Aufbereitung noch nie so perfekt wie gegenwärtig.
So wird keine einzelne Sau mehr durch das Dorf gejagt, es läuft gleich eine ganze Rotte. Kaum hat das eine Vieh die Startlinie verlassen, schieben unsere Medien die nächste hinterher. In der Folge dieser Methodik rennen dann ganze Horden verstörter Säue durch die Gassen, und niemand weiß mehr, welche er zuerst einfangen soll.
Alle rennen Allen hinterher, am Ende sind alle Bewohner des Dorfes erschöpft, und keine einzige Sau wurde gefangen.

Hochprofessionell planen unsere Medien die Startaufstellung, um uns nach dem Prinzip des "overnewsed and uninformed" ständig mit frischen Problemen zu versorgen. Jedes Thema ist ein Superlativ für sich.
2 - Eurokrise

Schrecklich, beängstigend, existenziell bedrohlich !
Tatsache ist, daß die Menschheit alleine in den letzten Jahrhunderten sich bereits -zig mal von Währungen verabschiedet hat. Danach gab es andere Währungen. Aufgehängt haben sich Menschen seit je her auch ohne einen Währungsverlust.
Noch nie brauchte der Mensch Währungsreformen, um eine Krise erleben zu können. Währungsschnitte im unauffälligeren Stil gab es ohnehin immer wieder. Da wurde über Jahrzehnte hin eine Lira immer mal wieder neu bewertet, ein Franc wurde eins zu hundert umgerechnet, ein Dollar ging in's Freie Floaten, und eine Ostmark verschwand im Museum. Jede Grippewelle kostete seither mehr Opfer als diese Währungsreformen.
Für den Fall, daß der eine oder andere das bemerkt haben sollte, helfen geschichtstragend klingende Phrasen wie "scheitert der Euro, dann scheitert Europa".
Dieser Slogan ist griffig. Welche unverschämte Verachtung gegenüber der Europäischen Geschichte darin liegt, welche Niedertracht gegenüber den Völkern Europas, wird inmitten der Flut zahlloser Propagandabotschaften kaum noch bemerkt.
Noch bevor wir bemerken können, wie dreist diese Block-Mutti die Leistung aller Europäer auf den Schnöden Mammon reduziert, geht es ganz schnell weiter zum nächsten Thema.
3 - Ukrainekrise

Zum Krieg gehören im Regelfalle mindestens zwei gegnerische Lager. In jedem Fall bedarf es Kräften, die an einer solchen Form der Auseinandersetzung interessiert sind.
Ständig war und ist auf der Welt Krieg. Nur selten nehmen wir es wahr, denn zumeist findet der in beruhigender geographischer Entfernung statt. Nur bei entsprechend professionell gesteuerter medialer Begleitung empfinden wir diese Situationen als bedrohlich. Aber selbst eine Kubakrise haben die meisten von uns unbeschadet überstanden, und auch die Balkankriege blieben regional begrenzt. Was nicht an der eigenen Tür stattfindet, muß auch kaum beunruhigen.

Als Ausnahme könnte man die USA betrachten. Dort sind die Reaktionen meist recht heftig, obwohl Nordamerika seit den eigenen Bürgerkriegen kein einziges ernstes Heimspiel mehr hatten. Dafür spielen sie ständig auswärts, um sich den Medaillenspiegel zu verbessern.
Alle Kriege, die uns im Fokus waren und im Gedächtnis blieben, waren irgendwann einmal beendet.
4 - Klimawandel

Wer den in Frage stellt, begeht Häresie. Diese Katastrophe wird zum Untergang der Menschheit erhoben. Die Faktoren sind natürlich menschengemacht, denn nur diese kann man dafür besteuern. Eine Eruptionsabgabe für Vulkane oder eine Faulgasbesteuerung für Kadaver und Waldpilze ist nur schwer durchsetzbar.
Das entsetzliche Waldsterben und den sauren Regen haben wir seither Alle überlebt.

Endlich hat man das böse Kohlenstoffdioxid entdeckt, dessen toxisches Potential so lukrativ erscheint, daß es sogar börsentaugliche Zertifikate wert ist.

Schwindende Eisdecken, die in vergangenen Zeiten weit geringere Dimensionen hatten als heute, können ebenfalls noch herhalten, wenn es um die Festigung dieser Klimaideologie geht.

Alles ist ganz schrecklich, ein Wunder, daß die Menschheit das bisher überleben konnte.
5 - Die Rente
Die ist ja sicher. Aber irgendwie macht sich dann doch wiederum Jeder seine Gedanken, wie diese Zusage denn nun wirklich gemeint gewesen sein soll. Eine regelmäßig wiederkehrende Diskussion ist das allemal wert, und es ist für Jeden von immensem Interesse.


Die Flüchtlinge
Hier bietet sich ein weites Feld. Besonders ergiebig wird das Verunsicherungsspektrum, wenn Begrifflichkeiten gänzlich unbelastet von ihren Bedeutungen Einzug halten.
Ohne eine Abgrenzung zwischen Asylsuche, -begehren, -beantragung, -ursache oder -grund ist die Verwirrung perfekt, die optimale Grundlage für ein weiteres Krisenszenario.
6 - Die Atomare Bedrohung
...sicher gefährlich, aber auch sehr nützlich, schließlich hat es damit eine ganze Partei geschafft, Ziele durchzusetzen, von denen wir Alle nichts geahnt haben.

Genderisierung
...noch so ein Ding, um welches wir uns dringendst kümmern müßten. Hier verrottet eine ganze Kultur. Das läuft seit Jahren, und niemand hat es bemerkt - ein Glanzstück der Neusprech-Ideologen !

Genfutter
...und wer soll das jetzt noch erklären ?
Am besten macht das sicher der nette Finanzinvestor aus den USA, der kennt sich aus. Schließlich ist der ja einer der größten Anteileigner bei Monsanto. Den fragen wir dann auch noch gleich, warum Marihuana nun plötzlich so gesund sein soll.

...wer den Europäischen Gedanken auf den Euro reduziert,
macht Europa zur käuflichen Hure.
Das ist unerträglich !

Wir sind die Guten - immer !

...und was kommt morgen ?
7 - Und dann gibt es ja auch noch die unzähligen Probleme des Alltags, die an Wichtigkeit kaum zu übertreffen sind.

Wann und wo ist Olympia ?

Wann und wo ist die nächste WM ?

Mit welcher Mannschaftsaufstellung spielen wir ?

Welche Ampelfarbe hat mein Lebensmittel ?

Soll ich meine Kinder impfen ?

Welche gesellschaftliche Gruppe fordert heute wieder eine Quote ?

8 - Ob Euro, Ukraine, Klima, Rente oder Asyl...

Stets sind es die Experten, die sich durch alle Talkshows reichen lassen, um uns dummen Zuschauern die Welt zu erklären.
Euroexperten kommen am liebsten von Banken, Friedensexperten von der Waffenlobby, Klimaexperten direkt aus steuerfinanzierten Instituten, den Rentenexperten stellt eine Versicherung, und die Asylproblematik erklärt uns der Wohlfahrtsverband oder sonst ein Experte aus den Kreisen der Migrationsindustrie.
Der Experte eines Energiekonzerns erklärt uns je nach Fördermittel-Lage die Unbedenklichkeit jeglicher Energieformen, Syngenta beteuert den Nutzen neuer Pflanzen, und ein umgebautes Etwas erläutert abwechselnd die Vorzüge der einen oder anderen Geschlechter. Daß wir dabei auch noch gleich von einigen aktiven Politikern von deren herzlichen Beziehung zu Kindern erfahren, gehört zu den Dingen, die eine moderne Gesellschaft wohl aushalten muß.

www.nachdenkseiten.de

www.zukunftskinder.org

9 - Angesichts all dieser Baustellen kann und wird es niemandem gelingen, sich auch nur einen ansatzweisen Überblick zu verschaffen.
Bezüglich eines einzigen Themas ein ausreichend fundiertes Wissen zu erarbeiten, ist schon schwer genug.

Dennoch kann es wertvoller sein, über ein einzelnes Fachgebiet möglichst viel zu wissen, als über alle Bereiche so gut wie nichts.
Unkenntnis bei den Rezipienten ist die beste Voraussetzung für erfolgreiche Indoktrination. Demagogen haben leichtes Spiel, so lange das Volk auf dem Niveau dessen verharrt, was das bildungs-fern-Sehen vermittelt.
Bildung nützt !

Auf den Punkt brachte es unter anderem Peter Scholl-Latour, als er in Bezug auf den miserablen Journalismus unserer Zeit bemerkte :

"Es fehlt oft einfach an Bildung"

10 - Bildungsdefizite
So lange die Führungseliten eines Staates über ausreichend Sachverstand verfügen, darf sich die Bevölkerung beruhigt der Breitenbildung zuwenden. Die macht ein Leben interessant und ermöglicht neben einer kultivierten Kommunikation auch ein zivilisiertes Sozialwesen.
Für das punktuelle Fachwissen gibt es klare Zuständigkeiten. Diese liegen bei Lehrern, Professoren, Ministerien oder spezifischen Forschungsinstitutionen.

Früher war Bildung ein Privileg, so exklusiv, daß sie oft nur der Adel genoß. Der konnte sich das auch erlauben, weil der Machterhalt keines breiten Wahlkampfes bedurfte. Ob das wirklich ein grundlegender Fehler war, ist angesichts der offensichtlichen Dummheit unserer Politik-"Eliten" einer gesonderten Diskussion würdig.
Dann gab es die Bildung endlich schrittweise für Alle, sie wurde sogar zur Pflicht.
Die gibt es heute aber leider nicht mehr in der Schule, dort wird ge-"gendert". Zur Vermittlung von Wissen ist keine Zeit. Bestenfalls besteht Unterricht noch aus pädagogisch gestützten Versuchen, soziale Entgleisungen zu kanalisieren. Studiengänge sind beherrscht von administrativen Vorgängen rund um den Zeitdruck von Bachelors und Masters.


www.mmnews.de
11- Wer die sozialpädagogische Besserungsanstalt, die sich immernoch den traditionellen Begriff der Schule anmaßt, einigermaßen unbeschadet überstanden hat, kann sich der Wissensmehrung zuwenden. Den Tagesrest nach Erwerbsarbeit, Studium oder der Organisation des eigenen Alltags, bezeichnen wir als Freizeit. Wenn wir uns konsequent genug der vorgegebenen medialen Hirnwäsche verweigern, können wir uns Freiräume zum Erwerb von Wissen und Bildung schaffen. Lindenstraße weg, CSI etc... weg, Soaps und Talk weg. Nachrichten, Meinungen, Kommentare finden sich im Internet. Die gleichgeschaltete Manipulation des Fernsehens haben wir nicht nötig. Wir können unsere Themen selbst bestimmen, und wenn wir Zeit zum Nachdenken benötigen, dann nehmen wir sie uns !
Durch Selektion werden Meldungen zu Informationen, durch Reflektion werden Informationen zu Bausteinen des Wissens, durch die logische Verknüpfung von Wissen wird dieses zu Bildung - und nun, erst viel später, sollten wir uns auf den Weg zu einer Meinung machen.
Gewiß, das ist viel Arbeit, und es kostet viel Zeit und Mühe. Mit der Trillerpfeife von der Gewerkschaft und dem Taschengeld der Eltern bei der Sitzblockade zu hocken, ist sicher viel einfacher, vielleicht sogar unterhaltsamer. Wer sich nur mit Kleinen Geistern umgibt, gehört schnell zu den Schlauen unter ihnen.

12 - Liebe Leser,

laßt uns gemeinsam nach denen suchen, die mehr wissen als wir !
Nur von denen können wir lernen.
Und weil nicht Jeder Alles wissen kann, sollte sich niemand unter uns auf das Niveau der Öffentlich-Rechtlichen Medien hinabbegeben, um dann von Allem Nichts zu wissen. Diese Oberflächlichkeit macht uns zu einer manipulierbaren Masse. So will uns die Medienwelt gerne haben. Wir selbst wollen das nicht, und wir werden uns dem Glattbügeln widersetzen !

Von Allem irgendetwas gehört zu haben, schadet nicht, aber das reicht bestenfalls für einen Small-Talk als Zeitvertreib.
Profundes Wissen zu einem einzelnen Thema - das ist es wert, weitergegeben zu werden.
In diesem Sinne sei dann auch der folgende Vorschlag zu verstehen :
Jeder suche sich eine einzelne Sau - die wird gejagt, bis man sie hat - und dann kommt sie wieder in den Stall, wo sie hingehört.
Wer alle zugleich jagen will, der wird verlieren.


Teil 1 / 3

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