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wenn Sprache degeneriert
Stachelschriften
...aus Magazin blickwinkel - Ausgabe Januar 2015
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Sprache Teil 1


Hören heißt nich immer Verstehen

In einer sich verändernden Gesellschaft verändert sich auch die Sprache.

Das klingt einfach und griffig und trägt einen nachvollziehbaren Ansatz von Logik in sich.

Richtiger wäre aber vorab festzustellen, daß keiner der beiden Vorgänge von selbst geschieht.

Eine Gesellschaft wird von innen durch ihre Mitglieder verändert, oder von außen durch externe Kräfte.


Eine Sprache verändert sich ebenfalls nicht selbst. Sie wird konsensual verändert durch diejenigen, die sie benutzen, oder gesteuert durch diejenigen, welche zielgerichtet auf sie Einfluß nehmen.

Vokabeln können auf vielfältige Weise mit neuem Sinn belegt werden. Es können aber auch neue Vokabeln entwickelt werden, welche dann durch Medien oft sehr leicht den Weg in den allgemeinen Sprachgebrauch finden.

Für einen solchen Prozeß eignen sich besonders gut sogenannte Fremdwörter, also Vokabeln, die in einer anderen Sprache bereits bestehen. Diese genießen besonders im Deutschen sehr hohes Ansehen. In kaum einem anderen Sprachraum findet sich eine vergleichbare Euphorie angesichts solcher Importe.

Das ist keineswegs neu. Lange Zeit galt es als kulturell erstrebenswert, Worte aus dem Französischen in die Deutsche Sprache aufzunehmen, um diese dann mit zum Teil bis zur Unkenntlichkeit veränderten Inhalten zu belegen.
Eine Wohnung im Halbkeller vermittelt sogleich eine viel bessere Wohnqualität, wenn sie als "Souterrain" angeboten wird. Das klingt wohlig Französisch und muß folglich werthaltiger sein als ein normaler Raum unterhalb des Geländeverlaufs.
Daß jeder Franzose sich wundern würde, wenn er erführe, daß man in der U-Bahn lebt, darf dabei nicht stören. Die Ableitung aus den Wörtern "sous" und "terrain" ergäbe eine Wohnlage unter der Erde. Auch das klänge nicht sehr exklusiv.
Wirklich unterirdisch hingegen ist die Sinnentstellung, die anscheinend niemand bemerken will.


Unsere Sprache ist gespickt von derlei Beispielen. Ein geläufiges Meisterstück ist das berühmte "Handy", eine zunächst sinnfreie Begriffsschöpfung, eine erfundene Vokabel, deren Akzeptanz sich alleine aus dem anglophonen Anschein ergeben hat.
Wie leicht wir durch inhaltlich verändernde Neubelegungen bestehender Begriffe zu beeinflussen sind, ist erschreckend.
Eine aktuelle Umdeutung erfuhr in bedenklich kurzer Zeit das Wort "Phobie".
Im Sinne der altgriechischen Herkunft "phobos" bezeichnete es über Jahrhunderte hinweg klar definiert und zweifelsfrei eine Furcht oder eine Angst, also einen evolutionär sinnvollen und überlebenswichtigen Affekt. Im erweiterten Sinne fand das Wort auch Einzug in die Psychologische Diagnostik. In diesem medizinisch relevanten Bereich erscheint die Bezeichnung "phobische Störung".


Phobie kann also im Ursprung ein wichtiger Instinkt sein oder im erweiterten Sinne die vereinfachende Bezeichnung für eine Störung, schlimmstenfalls eine Erkrankung.
Nach aktuellstem Sprachverständnis ist eine Phobie jedoch inzwischen fast schon ein Verbrechen. Phobie ist nun Ausdruck fehlender Sozialkompetenz, untrügliches Zeichen von Haß und Aggression.
Eine Phobie führt unweigerlich und natürlich hoch wissenschaftlich untermauert, zu fortgesetzt asozialem Verhalten und macht den Phoben zu einer potentiellen Gefahr für die Allgemeinheit.
So wird aus einem gesunden und überlebenswichtigen Ur-Instinkt eine ablehnungs- und sogar strafwürdige Charaktereigenschaft.


Mit großem Bemühen ließe sich für diese Umwidmung des inhaltlich stets zweifelsfrei besetzten Begriffes der Phobie, die Physik heranziehen.
Stoffe, die sich nicht oder nur schwerlich mischen, die sich also auf molekularer Ebene untereinander stärker binden als gegenüber anderen Stoffen.
Wer auf solch niederem Niveau nach Erklärungsmustern für unser Verhalten sucht, sich selbst aber Soziologe nennt, sollte besser kein neues Menschenbild vorgeben.
Aber genau diese wissenschaftlichen "Experten" sind es, die emsigst unsere Sprache pervertieren.


ein Zitat vom 28.01.15 | 22:45 Uhr Mehmet Gürcan Daimagüler
das Erste, in der Sendung Anne Will



Wer sich an weiteren Beispielen ein wenig abarbeiten möchte, dem sei als Vorlage unser gutes altes Grundgesetz empfohlen.
Niemals sollten wir dieses Werk in Frage stellen. Aber die Art und Weise, in der inzwischen mit zentralen Begriffen dieses Textes umgegangen wird, ist sehr wohl fragwürdig.
Gesellschaftsgruppen, welche ihr Weltbild völlig abweichend definieren, codieren auch Inhalte höchst unterschiedlich. Sie verwenden die selben Vokabeln, belegen sie aber mit gänzlich anderen Inhalten. Die Folgen können so gravierend sein, daß das Wort Mißverständnis zu einem Euphemismus wird.

Um dies zu veranschaulichen, heben wir ein paar wenige Begriffe im nachfolgenden Text hervor, mit denen wir uns dann aus einer ganz anderen Sicht heraus befassen wollen.
Wir werden schnell erkennen, daß eine unterschiedliche Codierung der selben Vokabeln zu stark abweichenden Interpretationen führen kann.



Präambel

Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen,
von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied
in einem vereinten Europa
dem Frieden der Welt zu dienen,
hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.

Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen
haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet.

Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.





- Gott - definiert jeder Gläubige ein wenig abweichend, ein Agnostiker hat damit vermutlich ein noch größeres Problem
- Menschen - die Frage, wer oder was ein Mensch ist, erscheint vielleicht abstrus. Ein Blick in die Koran-Sure 2 - Vers 13 sollte bedenklich stimmen, wenn es um die Beantwortung der Frage geht, wer denn nun Mensch ist oder nicht.
- Vereintes Europa - geographisch, geostrategisch, politisch gewollt, politisch realisiert, ideologisch, kulturell, historisch....?
was heißt "vereint" - was heißt "Europa" ? EU ? Währungsbereich-Euro ?
- Frieden der Welt - ist Frieden die Abwesenheit von Krieg ? Braucht ein Frieden nicht einen Friedensvertrag ? Wenn ja, mit wem ?
Und nochmals die Islamfrage... Haus des Krieges, Haus des Vertrages, Haus des Friedens ? - Bitte im Koran nachsehen !
- Das gesamte Deutsche Volk - wer ist das ? Bevölkerung ? Besiedlungsgemeinschaft ? Staatsbürger ?
Alle, die gerade zufällig da sind ?


Wovon reden wir also ? Sprechen wir wirklich Alle über das Selbe ?

Sicher ist nur, daß wir die selben Worte lesen können und gebrauchen.
Ob der Sinn von gestern noch der Sinn von heute ist, darf bezweifelt werden. Daß der Sinn von morgen ein anderer sein wird, darf als sicher gelten.

Die Sprache ist eines der höchsten Kulturgüter einer Zivilisation.
Jede Bedeutungsänderung, und sei es auch nur die eines einzigen Wortes, kann fatale Folgen haben.
Die einseitige inhaltliche Umgestaltung zerstört den Konsens.
Auch ohne einen einzigen Begriff unseres Grundgesetzes gewechselt zu haben, erhält dieses einen völlig veränderten Inhalt, sobald die Bedeutung einzelner Vokabeln umdefiniert wird.

Nachfolgend Auszüge aus den Artikeln des GG
...oder am Seitenende zum nächsten Kapitel 2



COMPACT Magazin


Unverbindliche Auszüge der ersten 10 Artikel des GG finden sie nachfolgend :

Die Grundrechte

Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis
Art 1
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.
Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis
Art 2
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis
Art 3
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis
Art 4
(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
(3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.

Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis
Art 5
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis
Art 6
(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.
(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.
(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.
(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.
(5) Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern.


Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis
Art 7
(1) Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.
(2) Die Erziehungsberechtigten haben das Recht, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen.
(3) Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt.
Kein Lehrer darf gegen seinen Willen verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erteilen.
(4) Das Recht zur Errichtung von privaten Schulen wird gewährleistet. Private Schulen als Ersatz für öffentliche Schulen bedürfen der Genehmigung des Staates und unterstehen den Landesgesetzen.
Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn die privaten Schulen in ihren Lehrzielen und Einrichtungen sowie in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen und eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn die wirtschaftliche und rechtliche Stellung der Lehrkräfte nicht genügend gesichert ist.
(5) Eine private Volksschule ist nur zuzulassen, wenn die Unterrichtsverwaltung ein besonderes pädagogisches Interesse anerkennt oder, auf Antrag von Erziehungsberechtigten, wenn sie als Gemeinschaftsschule, als Bekenntnis- oder Weltanschauungsschule errichtet werden soll und eine öffentliche Volksschule dieser Art in der Gemeinde nicht besteht.
(6) Vorschulen bleiben aufgehoben.

Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis
Art 8
(1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.
(2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis
Art 9
(1) Alle Deutschen haben das Recht, Vereine und Gesellschaften zu bilden.
(2) Vereinigungen, deren Zwecke oder deren Tätigkeit den Strafgesetzen zuwiderlaufen oder die sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder gegen den Gedanken der Völkerverständigung richten, sind verboten.
(3) Das Recht, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden, ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet. Abreden, die dieses Recht einschränken oder zu behindern suchen, sind nichtig, hierauf gerichtete Maßnahmen sind rechtswidrig. Maßnahmen nach den Artikeln 12a, 35 Abs. 2 und 3, Artikel 87a Abs. 4 und Artikel 91 dürfen sich nicht gegen Arbeitskämpfe richten, die zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen von Vereinigungen im Sinne des Satzes 1 geführt werden.

Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis
Art 10
(1) Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.
(2) Beschränkungen dürfen nur auf Grund eines Gesetzes angeordnet werden. Dient die Beschränkung dem Schutze der freiheitlichen demokratischen Grundordnung oder des Bestandes oder der Sicherung des Bundes oder eines Landes, so kann das Gesetz bestimmen, daß sie dem Betroffenen nicht mitgeteilt wird und daß an die Stelle des Rechtsweges die Nachprüfung durch von der Volksvertretung bestellte Organe und Hilfsorgane tritt.


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